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K4UAH - Viktor Gramich - ein Funkpionier in Murnau

Geschrieben von Martin, DF3MC. Veröffentlicht in CØ3 Wissenswertes

In der cq-DL 7/84 berichtet Prof. Walter Dieminger, DL6DS über die Anfänge des Amateurfunks in Deutschland. Teile seiner Erinnerungen befassen sich mit V.Gramich.

 

Mit freundlicher Genehmigung der cq-DL Redaktion werden hier Teile dieses Artikels wiedergegeben.

Erinnerungen eines Oldtimers

Viktor GramichAn eigene Sendetätigkeit dachte ich dabei noch nicht. Das änderte sich erst, als ich im Radioklub Ende 1925 einen hochgewachsenen jungen Mann mit einer kühnen Adlernase kennenlernte. Es war Viktor Gramich, der in München an der T.H. studierte und über die Weihnachtsferien bei seinen Eltern in Würzburg weilte. Er war seinerzeit zweifellos der erfolgreichste deutsche Funkamateur und ein ausgezeichneter Schiläufer.

Er hatte in Würzburg nur eine kleine Station mit etwa 5 Watt Leistung und einer originellen Antenne. Es gab seinerzeit noch aus dem 1. Weltkrieg Gebilde, die etwa wie eine Hand aussahen: 5 Drähte von etwa 5 m Länge vereinigten sich zu einem Kabelschwanz von 1 m Länge. Alles war solide mit Gummi umkleidet. Gramich verspannte an der Hauswand je eines nach oben und unten und erreichte damit als sensationellen Erfolg Indien.

Mit Gramich fuhr ich auch mein erstes QSO auf etwa 1 km Entfernung, indem ich mein schwingendes Kurzwellenaudion mit dem Stecker der Anodenbatterie tastete.

Gramich gehörte zu den ganz wenigen Privatpersonen in Deutschland, die eine persönliche Versuchslizenz bekamen. Sein Rufzeichen KW 3, später EK 4 UAH, war weltbekannt. Sonst gab es fast nur Klublizenzen.

 

Viktor Gramichs Station in Murnau

Im Herbst 1926 nahm ich das Studium der technischen Physik an der T.H. München auf. Das gab mir auch Gelegenheit, die große Station von Viktor Gramich kennenzulernen. Er hatte sie im Hause seiner Tante, zauberhaft in der Nähe der Station Berggeist oberhalb des Staffelsees gelegen, eingerichtet. Er lud mich in der Folgezeit öfters ein, mit ihm ein Wochenende dort zu verbringen. Ich sah kaum den parkartigen Garten und die Aussicht auf den Staffelsee, sondern hatte nur Augen für die seinerzeit sagenhafte Station.

Der Empfänger war zwar nur ein 0-v-2, - etwas anderes gab es seinerzeit nicht - , aber der Sender hatte immerhin einige 100 Watt. Interessant war die Speisung. Da der Aufwand für die Siebung bei 50 Hz für damalige Verhältnisse sehr groß war, benützte er einen rotierenden Umformer 50 Hz - 500 Hz und einen gasgefüllten Gleichrichter mit einer recht einfachen Siebkette. Für 500 Hz gab es ja alles aus Surplus des 1.Weltkrieges, in dem der mit 500 Hz betriebene Löschfunkensender das Normalgerät war. Ein Vorteil war auch, dass der mit 500 Hz bzw. 1000 Hz anmodulierte CW-Ton ein sehr charakteristisches, gut aufzunehmendes Signal gab. Außerdem brauchte man keine Mithöreinrichtung, denn beim Tasten gaben Transformator und Siebmittel einen angenehm sirrender Ton von sich. Der Sender war natürlich selbsterregend und auf den höheren Bändern in Gegentakt aufgebaut.

Um ganz ungestört empfangen zu können, hatte Gramich direkt am Fuße des Dachständers der Stromzuführung einen Hebelschalter angebracht, der durch einen Schnurzug vom Empfänger aus bedient werden konnte. Damit wurde die Stromversorgung des Hauses in den Empfangsperioden abgeschaltet und damit eine Störung durch Schaltknacke von vornherein ausgeschlossen. Die Hausbewohner mussten dann auf Petroleumlampen umsteigen.

Die Gleichrichter hatten eine ganz charakteristische Form. Sie sahen fast wie eine griechische Amphore aus: Auf einem Schraubsockel erhob sich ein zylindrischer Glaskolben mit zwei Armen für die Anoden. Beim Betrieb leuchteten sie entsprechend dem Füllgas rosarot-orange auf. Leider war ihre Lebensdauer nicht sehr groß, und ich erlebte es einige Male, dass mitten in einem interessanten QSO der Gleichrichter nicht mehr richtig zündete und in aller Eile ausgewechselt werden musste.

Gramich, Dieminger und Amateure aus Lettland vor derAmateurbänder im heutigen Sinne gab es seinerzeit nicht. Den Funkfreunden stand der ganze Bereich unterhalb 200 m zur Verfügung. Eine Bandeinteilung gab es nur insoweit, als z.B. die Europäer von 43 - 47 und 95 - 115 m, die Nord-Amerikaner von 37.5 - 41.5 und 75 - 85 m, die Süd-Amerikaner von 33 - 56 m und die Ozeanier von 32 - 35 m arbeiteten.

Dabei drangen die Amateure zu immer kürzeren Wellen vor, und Gramich gehörte jeweils zu den ersten, die einen neuen Kontinent auf einem höherfrequenten Band arbeiteten.

Diese idyllischen Zustände dauerten bis 1929 an. Dann trat die auf der Washington - Konferenz im Jahre 1927 beschlossene Aufteilung des Kurzwellenbereichs für die verschiedenen Funkdienste in Kraft, und die Amateure wurden auf die schmalen Bänder um 160, 80, 40, 20 und 10 m beschränkt. Das 15-m-Band kam erst später dazu.

In dem großen Garten war genug Platz für Antennenversuche. Hier probierten wir Langdrähte, Dipole, T-Matches und Speiseleitungen verschiedener Art mit wechselndem Erfolg. Ausschlaggebend war für die Erfolge die überlegene Betriebstechnik von Gramich. Das trug ihm den Ehrentitel M.V. = Meister Viktor ein.

Leider erlag er bereits in jungen Jahren einem heimtückischen Leiden.

 

So weit der Bericht von W. Dieminger. ( aus cq-DL 7/84, mit freundlicher Genehmigung)

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